Fünf Taufen und kein Todesfall bei GoLive

Fünf Taufen und kein Todesfall bei GoLive
Claus Roth
durch

Wenn man diese Überschrift liest, stellt sich möglicherweise die Frage, aus welchem Grunde das Thema Taufe überhaupt ein „Thema“ ist. Aus meiner Sicht ist die Taufe für mich deswegen ein „Thema“, weil sie ein zentrales Element meines Glaubens und meiner Beziehung zu Gott ist. Auch für unsere Gemeinde, der GoLive Kirche Solingen, stellt die Taufe ein ganz besonderes Highlight unseres Kirchenalltags dar.

Warum aber die Taufe als Erwachsener? Du bist doch schon getauft!

So oder ähnlich begegneten mir viele meiner Freunde und  ich stellte mir diese Frage auch selbst, lange bevor ich mich 2012 zur Taufe entschlossen hatte. Viele Menschen, die mir diese Frage stellen, geben sich oft mit Blick auf ihren eigenen status quo die Antwort selber und sind der Meinung, dass sie ja bereits als Kind im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes getauft worden seien, so dass es keiner Erneuerung dieses Sakramentes bedürfe. So habe ich es früher auch gesehen. Heute beurteile ich diese Frage ganz anders.

Die entscheidende Frage ist: Was bedeutet die Taufe im biblischen Sinne?

Wenn man dazu Textstellen in der Bibel aufsucht, wird deutlich, dass die Taufe die Vergebung Gottes von den Sünden symbolisiert und den Getauften zur Umkehr wegen der Nähe des Reiches Gottes aufruft.

Dies bedeutet, dass jeder, der sich zur Taufe entschließt, sich von seinem bisherigen Lebensweg  abwendet, durch die Taufe symbolisch von seinen alten Sünden reingewaschen und so wie „neugeboren“ sein wird. Zusätzlich bekennt er sich öffentlich vor Gott und den Menschen zu seiner Entscheidung.

Anders ausgedrückt bekennen wir durch die Taufe unseren Glauben an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi und geben Zeugnis, dass wir für die Sünde tot sind und entschlossen, ein neues Leben zu führen. Damit erkennen wir Christus als Herrn und Erlöser an, werden seinem Volk hinzugefügt und als Glieder seiner Gemeinde angenommen. Die Taufe ist ein Sinnbild für unsere Gemeinschaft mit Christus, für die Vergebung unserer Sünden und für den Empfang des Heiligen Geistes. Sie wird durch Untertauchen vollzogen auf das Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus und als Zeichen der Reue über die Sünde

Warum aber nun die Taufe als Erwachsener?

Der wichtigste Grund scheint mir, dass Jesus Christus uns ein Vorbild in dieser Hinsicht war. Den Text dazu findet man in Matthäus 3, 13 – 17:

„13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. 14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen.

16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Was spricht dagegen, es Jesus Christus nachzutun? Wenn Jesus Christus, der Sohn Gottes, mir ein Beispiel gibt, fällt mir kein Grund ein, diesem Beispiel nicht zu folgen.  

Johannes der Täufer betrachtete es als eine Zumutung, als Jesus zu ihm an den Jordan kam, um von ihm getauft – das heißt, im Wasser untergetaucht – zu werden, rief er doch die Menschen zur radikalen Umkehr in Vorbereitung auf den kommenden Messias auf.

Und nun stand dieser selbst vor ihm! „Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?“ (Matthäus 3,14) Doch Jesus ließ sich nicht beirren: „Lass es so geschehen, denn wir müssen alles tun, was Gott will.“ (Matthäus 3,15) In seinem Leben ging es Jesus stets darum, „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ – so der Grundtext wörtlich –, anders gesagt: alles zu tun, was Recht ist vor Gott.

Gegen dieses Argument war Johannes machtlos. Es liefert bis heute eine unschlagbare Begründung: Wenn Jesus seine Taufe als notwendig erachtete, wie viel mehr Grund haben dann wir, uns ebenfalls taufen zu lassen, um den Willen Gottes zu erfüllen!

Zudem ist die Taufe ein nach außen für jeden – also auch für Gott und die Menschheit –  erkennbares Ritual als Zeichen der Entscheidung eines Menschen für ein Leben mit Gott. Daraus ergibt sich immer die logische Reihenfolge, dass der Mensch zuerst Gottes Wort hören und sodann seinen persönlichen Glauben finden muss, um später den Entschluss fassen zu können, das Heilsangebot Gottes anzunehmen und sich taufen zu lassen.

Durch die Taufe bekennen wir nämlich unseren Glauben an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi und geben Zeugnis, dass wir für die Sünde tot sind und entschlossen, ein neues Leben zu führen. Damit erkennen wir Christus als Herrn und Erlöser an, werden seinem Volk hinzugefügt und als Glieder seiner Gemeinde angenommen. Die Taufe ist ein Sinnbild für unsere Gemeinschaft mit Christus, für die Vergebung unserer Sünden und für den Empfang des Heiligen Geistes.

Doch welcher Sinn steckt hinter dem Ritus der Wassertaufe? Handelt es sich dabei um ein Wundermittel, das jeden heilt, der damit in Berührung kommt?

Offenbar nicht. „Zur Zeit des Propheten Elischa gab es viele Aussätzige in Israel; aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman“, erklärte Jesus (Lukas 4,27). Ein Tauchbad im Jordan besaß ebenso wenig magische Kräfte wie die Berührung Jesu durch die Menschen, die ihn umdrängten. Was aber war es dann, was den Ausschlag gab, ob eine Heilung erfolgte oder nicht? Jesus war sich sicher: „Dein Glaube hat dir geholfen“, sagte er zu der Frau, die eine Quaste seines Gewandes berührt hatte (Lukas 8,43-48).

Glaube macht also den Unterschied! Nur der Glaube zählt!

Das Wasser der Taufe besitzt keine geheimnisvolle Kraft, die uns von der Krankheit der Sünde heilt, sobald wir davon benetzt werden. Ebenso wenig ist der begleitend erklärende Satz: „Ich taufe dich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ eine religiöse Zauberformel, die der Taufe kraft ihres Vollzugs eine bindende Wirkung verleiht.

Eine solche sakramentale Vorstellung kennt die Bibel nicht. Stattdessen erklärt sie: „Wer zum Glauben kommt und sich taufen lässt, wird gerettet. Wer nicht glaubt, den wird Gott verurteilen.“ (Markus 16,16)

Nicht die unterlassene Taufe führt somit ins Verderben, sondern das fehlende Vertrauen in die Heilstat Jesu.

Man begehrt die Taufe, man erleidet sie nicht. Man kommt selbst zur Taufe (Markus 1,5) und wird nicht zum Wasser hingetragen. In der Taufe antworten wir freiwillig und bewusst auf den Ruf Gottes (Jesaja 43,1-4), die Einladung Jesu (Matthäus 9,9) und das Werben des Heiligen Geistes (Offenbarung 22,17). Jede Art von Zwang – sei er körperlich, seelisch oder nur moralisch – widerspricht dem Charakter Gottes und dem Geist des Evangeliums.

„Was hindert mich oder dich?“

Wenn es aber entscheidend auf den Glauben ankommt und nicht auf den bloßen Ritus, dann gehört zur Taufe stets der persönliche Wunsch eines Menschen, der das Evangelium gehört und angenommen hat und sich die Frage stellt: „Spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde?“(Apostelgeschichte 8,36)

Einem solchen „Taufbegehren“, dem eine eigene Entscheidung für Jesus Christus und das Leben mit ihm zugrunde liegt, steht nichts im Weg!

Mit der Taufe öffnet sich die Tür zum Leben mit Gott! Wer das buchstäblich am eigenen Leib erlebt und wie Jesus den Zuspruch Gottes „Du bist mein Sohn, du bist meine Tochter …!“ in der Taufe erfahren hat, wird diesen Augenblick wohl nie mehr vergessen. Ein solches Fest der Taufe ist so ergreifend wie die Geburt des eigenen Kindes, wie eine Begnadigung vor Gericht oder die Einbürgerung in ein neues Heimatland.

Allerdings war die erste Taufe, die ich als Erwachsener erlebte, meine eigene Taufe und die meiner drei Mittäuflinge an diesem 22.09.2012.

Die fünfte Taufe, die ich miterleben durfte, war auch zugleich die erste Taufe bei GoLive, meiner Gemeinde in Solingen. Dies war 2016. Bereits einige Monate vorher  hatte sich unsere Schwester zu diesem Schritt entschlossen und ich kann mich noch sehr gut an den Augenblick erinnern, als sie uns bei GoLive davon erzählte. Wie waren wir aus dem Häuschen. Welche Freude!

Und der Tag selber in den Räumen von GoLive am Piepersberg in Solingen-Gräfrath wird mir immer in guter Erinnerung bleiben. Wir bereiteten einen wunderschönen Gottesdienst vor und es war wirklich eine fröhliche Feier mit vielen Gästen! Und es flossen auch ein paar Tränen der Freude, als wir unsere Schwester in der Familie von GoLive auf das herzlichste begrüßen konnten.

Ich hoffe noch viel mehr Taufen bei GoLive zu erleben. Die Todesfälle können ruhig noch etwas auf sich warten lassen. 

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