Beten, aber wie?

Beten, aber wie?
Claus Roth
durch

„Inspiriert durch/teilweise zitiert nach Bill Hybels, Aufbruch zur Stille“

Warum soll ich überhaupt beten? Diese Frage stellen sich viele Menschen.

Während für Christen das Gebet die natürlichste Sache der Welt ist, ist Beten keine Tätigkeit, die dem Menschen angeboren ist. In unserer GoLive Gemeinde in Solingen gehört das Beten natürlich zum Gottesdienst. Bereits als Kleinkind lernt der Mensch jedoch von seinen Eltern, sich nur selber zu vertrauen, und so kämpfen und ringen wir um Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Das Gebet zu Gott steht diesen Werten radikal entgegen. Es ist ein Angriff auf den Selbstbestimmungsdrang des Menschen und seinen unabhängigen Lebensstil. Es ist unserer stolzen menschlichen Natur zuwider, alles selbst in der Hand zu haben und regeln zu wollen. Aber dennoch gelangen wir alle wohl einmal an den Punkt, wo wir auf die Knie fallen, den Kopf neigen, uns ganz Gott zuwenden und beten. Weil wir den Wunsch nach einer engen Beziehung zu Gott haben und weil Jesus uns erklärt hat, dass es funktioniert!

In Matthäus 7, 7-11 steht dazu Folgendes:

„Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! 8 Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. 9 Würde jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück Brot bittet? 10 Oder eine giftige Schlange, wenn es um einen Fisch bittet? 11 Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten!“

Bring deine Anliegen vor Gott und er wird sie erfüllen!

Was bedeutet dieser Begriff „Anliegen“?

Der Begriff „Gebet“ wird sprachlich von dem Wort „bitten“ abgeleitet, so dass sich einfach erschließt, dass sich der Beter in seinem Gebet „etwas von Gott erbittet“. Für viele Gläubige ist dieser Teil des Gebets wahrscheinlich das wichtigste Element, der Kern eines jeden Gebetes. Möglicherweise beten die meisten Menschen hauptsächlich  im Bereich der Anliegen, ohne dass ihre Gebete andere Elemente wie  insbesondere die Anbetung bzw. Lobpreis, das Bekenntnis der eigenen Schuld oder den Dank enthalten. Richtig ist in jedem Falle,  dieses Element eines Gebetes als zentrales Element zu  bezeichnen.

Was hat uns Jesus Christus, der  absolute Experte auf dem Gebiet des Betens, zu diesem Teil des Gebetes zu sagen?

Jesus hat uns eine Vorlage für ein persönliches Gebet zu Gott hinterlassen: das „Vater Unser“ ! Neben einigen anderen Elementen wie dem Lobpreis Gottes oder das Bekenntnis der eigenen Sünden enthält dieses Gebet auch einen Teil, den man mit dem Begriff „Anliegen“ umschreiben kann. Man könnte diesen Teil des Gebetes auch „ Gott um Hilfe bitten“ nennen. Gemeint ist der Satz „Unser tägliches Brot gib uns heute!“

Welche Prinzipien hat Jesus aufgestellt, wie du deine Anliegen sinnvoll und angemessen vor Gott bringen sollst?

In Matthäus 6, 5-13 heißt es dazu wie folgt:

5 „Betet nicht wie die Heuchler! Sie beten gern in den Synagogen und an den Straßenecken, um gesehen zu werden. Ich sage euch: Diese Leute haben sich ihren Lohn schon selber ausbezahlt! 6 Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu, und bete zu deinem Vater. Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen. 7 Leiere nicht endlose Gebete herunter wie Leute, die Gott nicht kennen. Sie meinen, sie würden bei Gott etwas erreichen, wenn sie nur viele Worte machen. 8 Folgt nicht ihrem schlechten Beispiel, denn euer Vater weiß genau, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn um etwas bittet.

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Wichtig ist demnach,  folgende Grundprinzipien eines jeden Gebetes zu beherzigen:

  1. Suche dir irgendeinen stillen Ort, an dem keine anderen Personen sind, damit du mit Gott alleine sein kannst. Auf diese Art und Weise kannst du Ablenkungen am leichtesten ausschalten bzw. vermeiden. Es kommt hinzu, dass, wenn du einen solchen Ort gefunden hast und ihn regelmäßig nutzt, dann wird dieser Raum, dein Gebetsraum, irgendwann von einer besonderen Atmosphäre umgeben sein. Egal, um welchen Raum es sich handelt, wird er zu einem heiligen Ort werden, der Ort, an dem dir Gott begegnet.
  2. Schaffe eine Atmosphäre an diesem Ort, in dem du diesen Raum regelmäßig und immer wieder für deine Zeit mit Gott nutzt. So wie du dich auf dein Lieblingsrestaurant oder dein Ferienhaus, in welchem du jedes Jahr deinen Urlaub verbringst, freust, weil es dir vertraut ist und du dich dort wohl fühlst, so wirst du dich mit der Zeit ebenfalls darauf freuen, in deinen Gebetsraum zu gehen. Du wirst die vertraute Umgebung, das Blickfeld und die Gerüche zu schätzen wissen und die besondere Atmosphäre an diesem Ort, an dem du dich zwanglos mit Gott unterhalten kannst, lieb gewinnen. Es muss keine Kapelle sein. Es kann sich auch um deinen Stall, dein Büro, deine Vorratskammer oder der Vordersitz deines Autos handeln, solange die Umgebung nur ruhig und vertraut ist.
  3. Meine wirklich ernsthaft, was du betest. Jesus hat seinen Jüngern nicht nur gesagt, dass sie allein beten sollen, sondern auch, dass sie ehrlich beten sollen. „Ihr sollt nicht plappern“, erklärte er ihnen. Sei vorsichtig mit abgedroschenen Phrasen. Gewöhne es dir nicht an, diese gedankenlos immer und immer wieder aufzusagen.
  4. Rede mit Gott als einen liebenden Vater. Gott möchte, dass du mit ihm redest, wie du auch mit deinem Freund oder deinem Vater reden würdest: ehrlich, persönlich, mit der richtigen Einstellung, aufrichtig und ernsthaft. In Psalm 62, 9 heißt es: „Schüttet euer Herz vor ihm aus!“ Dies bedeutet: Rede mit ihm. Sage ihm: „Herr, so geht es mit heute. Darüber habe ich erst kürzlich nachgedacht. Das bereitet mir Sorgen. Das bedrückt mich. Darüber bin ich froh“.
  5. Bete konkret! Gebete, die Gott die Ehre geben, sind nicht einfach Einkaufszettel. Sie sind mehr als dumpfe Schreie nach Hilfe, Kraft, Erbarmen und Wunder. Das ist der Grund, warum wir uns in Anlehnung an das Vater unser als Vorlage für ein Gebet, mit den ABBA-Elementen beschäftigen: Wahrhaftes Gebet sollte Lobpreis enthalten („Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name“), es sollte Einordnung enthalten („Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“), Bitten haben ihren Platz („Unser tägliches Brot gib uns heute“), genauso wie auch das Sündenbekenntnis („Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“).

 

Welche Anliegen oder Belange sollst du vor Gott tragen?

Paulus schreibt dazu in Philipper 4,6: „Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott“. Dies bedeutet, dass du vor  Gott alle deine Belange, seien sie groß oder klein, bringen kannst. Selbst wenn du ein Wunder brauchst, dann bitte darum, ohne zurückzuschrecken. Du darfst mit deinen Anliegen zu Gott kommen! Nichts ist so groß, als dass Gott nicht damit fertig werden würde, oder so klein, dass Gott sich nicht dafür interessiert.

Aus welchen Gründen macht es Sinn, Gott um etwas Konkretes zu bitten, ihm ein Anliegen vorzutragen?

Matthäus 21,22: „Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt!“

Matthäus 7, 7-11 (Gott ist unser großzügiger Vater):

7 „Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! 8 Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. 9 Würde jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück Brot bittet? 10 Oder eine giftige Schlange, wenn es um einen Fisch bittet? 11 Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten!

Römer 8, 16-17::

16 Gottes Geist selbst gibt uns die innere Gewissheit, dass wir Gottes Kinder sind. 17 Als seine Kinder aber sind wir – gemeinsam mit Christus – auch seine Erben. Und leiden wir jetzt mit Christus, werden wir einmal auch seine Herrlichkeit mit ihm teilen.

Was für eine unglaubliche Wahrheit:

Gott möchte uns mit Segen überschütten, da er uns als seine Söhne und Töchter angenommen hat. Als Kinder Gottes und rechtmäßigen Erben gehören die Welt und das Universum uns! Sollten wir dann jemals Bedenken haben, unserem Vater unsere Bitten vorzutragen?

 

Ist Gott in der Lage ist, deine Anliegen zu erfüllen, deine Bitten zu erhören?

Gott ist fähig!

Er hat Macht über die Natur:

Wenn Gott beschloss, dass Meere oder Flüsse geteilt werden müssen, dann teilte er sie (2. Mose 14; Josua 3). Wenn sein Volk hungrig war, ließ er Essen vom Himmel fallen oder vermehrte Brote und Fische (2. Mose 16; Johannes 6, 1-13). Wenn ein Sturm das Leben seiner Jünger bedrohte, brachte er diesen zur Ruhe (Markus 4, 35-41). Wenn seine Truppen mehr Zeit brauchten, um den Boden, den sie erobert hatten, zu befestigen, ließ er einfach die Sonne nicht untergehen.

Er hat Macht über die Umstände:

Apostelgeschichte 12, 7-10!

Er hat Macht über Menschen:

Gott konnte den schüchternen Mose zum Leiter machen (2. Mose 3-4), das harte Herz des Pharao erweichen (2. Mose 11,1-8), den entmutigten Elia davon abhalten, aufzugeben (1. Könige 19,15) und den fanatischen Christenverfolger Saulus zu einem glühenden Apostel machen (Apostelgeschichte 9, 1-31).

Er ist unveränderlich:

Wenn Gott schon früher fähig war, die Natur zu beherrschen, und Menschen und Umstände zu verändern, dann ist er erst recht heute dazu in der Lage. Gott hat sich nicht verändert. Er wird nicht alt und seine Kraft schwindet nicht.

Maleachi, 3, 6: „Ich, der Herr, habe mich nicht geändert“

Hebräer, 13, 8: „Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit“.

Jesaja 40, 28: „Weißt du es nicht, hörst du es nicht? Der Herr ist ein ewiger Gott, der die weite Erde erschuf. Er wird nicht müde und matt.“

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Gibt es unangemessene oder sinnlose Anliegen?

„Lieber Herr, sei bei mir, wenn ich jetzt zu diesem Einstellungsgespräch gehe“.

„Bitte sei mit mir, wenn ich jetzt diese Reise mache“.

Diese Bitten klingen doch auf den ersten Blick heilig. Aber sie machen keinerlei Sinn. Warum bittest du Gott um etwas, dass er doch eh schon tut!

Jesus macht deutlich: „ Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Matthäus 28,20).

Johannes 14, 8: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch“.

Hebräer 13, 5: „ Ich lasse dich nicht fallen und ich verlasse dich nicht“.

Einer der Namen Jesu, Immanuel, bedeutet: „Gott mit uns“.

Es macht keinen Sinn, Gott darum zu bitten, sinnlose Wunder zu tun, wie etwa eine ungesunde Fast-Food Mahlzeit in eine nahrhafte, kernige Speise zu verwandeln. Diese Bitte macht genauso wenig Sinn, wie das Anliegen: „Lieber Gott, bitte mach, dass London die Hauptstadt von Frankreich ist“.

 

Welche Bitten und Anliegen erscheinen dagegen sinnvoll und angemessen?

Es erscheint hilfreich, dir deine Bitte in bestimmte Kategorien einzuteilen. Zum Beispiel Dienst, Menschen, Familie und Persönliches.

Dienst:

Bete für die Mitarbeiter in der Gemeinde, für die Gottesdienste und die vielen verschiedenen Dinge in deiner Gemeinde. Bete darum, dass Gott durch diesen Dienst Menschen zu sich zieht, indem sie den lebendigen Christus kennenlernen und er sie von ihrer Leere und Entfremdung befreit, die ein Leben ohne Gott zur Folge hat.

Menschen:

Gebete für Menschen in Führungspositionen, für die Ältesten, den Vorstand, Arme und Kranke, Trauernde. Bete für die Nichtchristen in deinem Freundeskreis, dass Gott sie zu sich hinzieht.

Familie:

Bete für deine Ehe, deine Kinder und deine Enkel. Bitte Gott darum, dich zu einem gottesfürchtigen Ehemann, Vater oder Großvater zu machen. Bitte Gott um Hilfe bei deinen Entscheidungen hinsichtlich Finanzen, Ausbildung und Urlaub.

Persönliches:

Dein Gebetsanliegen könnte dein Charakter sein.  Sprich deine Stärken und Schwächen an. Nenne deine Fehler und Sünden beim Namen und bitte Gott darum, dir bei der Veränderung deines Wesens zu helfen.

Beispiel: „ Gott ich wünsche mir, dass mein Leben dem deines Sohne immer ähnlicher wird. Bringe das in mein Leben, was ich brauche, damit mein Charakter sich verändert“

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