Gott vertrauen oder 100 % Glauben

Gott vertrauen oder 100 % Glauben
Claus Roth
durch

Wir Menschen begegnen den Dingen im Leben meist mit eigenen Wünschen und Erwartungen. Oft haben wir schon ganz zu Beginn der Geschichte eine ganz genaue Vorstellung davon, wie die Sache ausgehen soll.

Aber oft läuft es dann doch nicht genau so, wie du dir das vorgestellt hast. Deine Erwartungen werden nicht erfüllt.

Im neuen Job merkst du bereits innerhalb der Probezeit, dass du dich an deinem neuen Arbeitsplatz nicht wohlfühlen wirst und in der neuen Liebe weißt du schon nach kurzer Zeit, dass deine neue Flamme bei weitem nicht deinen Erwartungen entspricht. Ähnlich ist es dir vielleicht auch schon einmal mit deinem Urlaub ergangen, als du nach langer Zeit der Planung und Vorbereitung endlich in deinem Hotelzimmer stehst und feststellen musst, dass die Qualität der Unterkunft bei weitem nicht deinen Erwartungen entspricht.

Vielleicht kennst du das Gefühl junger Eltern, die voller Erwartungen und Hoffnungen in die Zukunft ihrer Sprösslinge schauen und erstmals in der Pubertät schmerzlich erfahren müssen, dass die Kleinen sich zu Großen entwickelt haben, von denen man sich auch nur im entferntesten kein eigenes Bild gemacht hätte.

Genauso geht es so manchem stolzen Eigenheimbesitzer, der nach jahrelangem Warten auf den Einzug in das neue Häuschen, geplagt von Ärger mit den Baufirmen und Schwierigkeiten mit der Finanzierung endlich in seinem schönen neuen Garten steht und schon nach einer Minute den Nachbarn mit einer dicken Beschwerde wegen der Rauchbelästigung vor der Türe stehen hat. So hast du dir das nicht vorgestellt. Das hast du nicht erwartet.

Ganz ähnlich wie eventuell in deinem Leben mit Gott. Eure Beziehung ist super gestartet und du hast dich mit ihm auf den Weg gemacht. Du hast ihn kennengelernt, bist ihm immer näher gekommen, warst im Religionsunterricht und später hast du dich zur Taufe entschlossen. Es war eine wunderschöne Feier aber danach fragst du dich plötzlich, was denn jetzt noch kommen mag? Wie geht das so weiter mit dir und deinem Gott?

Irgendwie passiert gar nichts mehr und in dir reift dieser kleine Gedanke, dass du eigentlich etwas anderes erwartet hast. Mehr spektakuläre Gotteserfahrungen vielleicht, vielleicht dass du endlich von deinen dummen Lastern lassen kannst oder dass du endlich liebevoller und geduldiger im Umgang mit deinen Mitmenschen wirst, aber nichts dergleichen tritt ein.

Jesus heilt einen Gelähmten

Vielleicht ganz ähnlich wie in dieser Begebenheit aus der Bibel, in der Geschichte des Gelähmten, den seine Freunde zu Jesus gebracht haben. Jesus war damals in Kapernaum. Es hatten sich „Viele“ versammelt, also ich würde sagen, die Bude war voll, so dass im Haus gar kein Platz mehr war und die Leute vor der Türe stehen mussten. In diesem Augenblick trafen vier Männer ein, die ihren gelähmten Freund auf seinem Bett trugen. Als sie merkten, dass sie wegen der vielen Leute nicht an Jesus herankommen konnten, stiegen sie mit ihrem Freund und seinem Bett auf das Dach, deckten es dort ab, da wo Jesus sich im Raum aufhielt, öffneten ein Loch im Dach in der Größe, dass der Mann mitsamt Bett hindurchpasste und ließen beide herunter.

Was für eine Aktion! Stell dir das mal bitte vor!

Der ganze Weg von zuhause bis zu Jesus, in der Hitze, mit dem Bett. Und dann die Enttäuschung – wir kommen nicht rein. Was tun? Dann eben rauf auf das Dach. Aber Moment. Was tun wir, wenn wir oben sind? Wie kommt unser Freund vom Dach zu Jesus? Wir müssen ihn abseilen! Hat jemand ein Seil? Nein. Also müssen wir zuerst ein Seil beschaffen. Dann rauf auf das Dach. Nicht einfach mit dem Gelähmten, der ist schwer und unbeweglich und es ist heiß. Hoffentlich kommen wir nicht zu spät. Wir sind oben aber zuerst muss das Dach abgedeckt werden. Aber wo ist Jesus? Jemand muss rausfinden, wo genau im Raum er sich aufhält, denn sonst macht es keinen Sinn, wenn wir zu weit weg von ihm sind. Okay, geklärt, los geht’s. Wohin mit den Ziegeln? Wie groß muss das Loch denn sein, damit er mitsamt dem Bett hindurch passt? Weiter geht’s, gleich haben wir es geschafft, das Loch ist groß genug. Oh je, die Leute haben etwas bemerkt und einige schauen schon recht vorwurfsvoll, was wir hier treiben. Egal! Aber jetzt wird es erst richtig anstrengend, obwohl wir schon ziemlich fertig sind, denn es ist sehr schwierig, den Mann mit Bett abzuseilen. Geschafft. Er ist unten. Direkt bei Jesus!

 

Als Jesus Christus sah, was geschah, passierte Folgendes:

„Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“

Markus 2:5

 

Also ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob der Gelähmte und seine Freunde über diese Reaktion Jesu hellauf begeistert waren. Vielleicht hat die Vergebung der Sünden auch irgendwo eine Rolle für sie gespielt, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie vor allen Dingen so etwas hören wollten, wie „Erhebe dich von deinem Bett. Du bist geheilt. Deine Sünden vergebe ich dir auch und nun geh nach Hause und sündige vor allem nicht mehr“.

Es könnte ja auch sein, dass ihre eigentliche Absicht darin bestanden hatte, dass ihr Freund körperlich gesund werden sollte. Immerhin war Jesus zu diesem Zeitpunkt schon weithin dafür bekannt, dass er Krankheiten heilen konnte.

Vielleicht war diese Geschichte auch so ein Fall von enttäuschten Erwartungen oder Vorstellungen. Es wird auch nicht berichtet, was der Gelähmte oder seine Freunde zu Jesus sagten oder was sie dachten.

Die Bibel berichtet allerdings an dieser Stelle, dass damals nicht nur viel einfaches Volk dort war, sondern auch einige Schriftgelehrte und es wird berichtet, was diese bei sich dachten. Es wird von ihren Gedanken erzählt, wie Jesus nur so reden könne. Schließlich sei es Gott alleine, der die Sünden vergeben könne. Möglicherweise hat sie besonders gestört, dass Jesus nicht nur gesagt hat, „Deine Sünden werden dir (irgendwann) vergeben“, sondern er sagte ausdrücklich, „deine Sünden SIND dir vergeben“ Also jetzt gleich, sofort, auf der Stelle! Damit macht Jesus unmissverständlich seine göttliche Vollmacht deutlich, Sünden zu vergeben.

Jesus selber erkennt jedenfalls ihre Gedanken und fragt sie: „Was denkt ihr so in euren Herzen?“ (Übrigens: Dabei macht er seine Göttlichkeit ebenfalls deutlich, weil nur Gott in die Herzen der Menschen schauen kann und ihre Gedanken erkennt!) Und weiter fragt er sie, was denn leichter sei, Sünden zu vergeben oder zu heilen? Und dann vollendet er die Lehrstunde über seine Vollmacht als Sohn Gottes auf Erden, indem er sagt:

„Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh Heim!“

Jesus beweist in dieser Szene seine Göttlichkeit und Vollmacht. Er, der Menschensohn, der in der Lage ist, auch schon auf Erden Sünden zu vergeben, hat keinerlei Einbußen seiner Macht durch seine Menschwerdung erlitten, und kann große Wunder tun, auch einen Gelähmten auf der Stelle, innerhalb von einer Sekunde zu anderen, heilen, so dass es jeder sofort sehen kann und kein Zweifel mehr an dieser Heilung bestehen kann. Und wirklich, diese Geschichte macht großen Eindruck auf alle Anwesenden und es steht geschrieben, dass alle Gott lobten.

Und noch etwas ist geschehen:

Denn für den Fall, dass der Gelähmte und seine vier Freunde zunächst möglicherweise etwas enttäuscht über Jesu Reaktion gewesen sein mögen, zeigte sich am Ende, dass die Geschichte für sie auf jeden Fall gut ausgegangen ist und alle ihre Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen worden sind.

Wo stehst Du mit deinem Glauben?

Ein Lehrstück über Gottes Macht auf Erden, über den unerschütterlichen Glauben Mancher und den Unglauben vieler, die sich nur durch handfeste Wunder überzeugen lassen.

Weil der Kern dieses Berichtes aber das Thema Glaube ist, habe ich mich schon gefragt, welche der Personen damals in der Geschichte im Vergleich so für meinen eigenen Glauben stehen mag.

Bin ich so ein Ungläubiger und Zweifler wie die Schriftgelehrten, die nur schwer zu überzeugen waren und ein handfestes Wunder brauchten, um Gott zu loben und an Jesus Christus als den Sohn Gottes zu glauben?

Nein. Diesen Unglauben teile ich nicht. Ich hatte nie Zweifel an der Wahrheit Jesu Christi, an seiner Göttlichkeit, an seiner Botschaft und an seinem großen Opfer zur Rettung der Welt.

Aber vielleicht bin ich ein wenig so wie der Gelähmte. Zumindest in der Hinsicht, wenn ich mir vorstelle, dass er möglicherweise mit einem ganz anderen Plan, mit ganz anderen Hoffnungen und Erwartungen zu Jesus gekommen war, die sich zunächst nicht erfüllt hatten. Wenn ich mir vorstelle, dass ich mit einem körperlichen Leiden, mit irgendeiner Krankheit zu ihm gekommen wäre, hätte ich mir sicherlich nichts sehnlicher gewünscht, als von dieser Last befreit zu werden. Über mein Seelenheil hätte ich mir nicht in erster Linie Gedanken gemacht. Erstmal das Übel loswerden, alles andere kommt später. Eben mit meinen eigenen Vorstellungen an die Sache herangehen, mit ganz konkreten Wünschen an Gott herantreten, mit einer gezielten Erwartungshaltung, was er doch bitteschön für mich tun möge.

Und diese Grundhaltung finde ich immer wieder in meinen Gebetsanliegen, früher, bis heute, ganz aktuell: Lieber Gott mach! Mach, dass alles so wird, wie ich es mir wünsche!

Gott vertrauen!

Aber weißt du, wie ich gerne sein möchte?

Ich möchte so sein, wie die vier Freunde! So voller Tatendrang. Ohne Zögern, ohne Zweifel. Gleichgültig, was die Menschen sagen oder denken, die mich beobachten oder über mich urteilen. Keine Anstrengung ist zu viel und keine Herausforderung zu groß. In tiefer Liebe zu meinen Freunden. Mit dem Willen, jedes Hindernis zu überwinden, sei es, was da komme, egal ob der Weg weit und beschwerlich ist, um zu Gott zu gelangen, um mich und meine Freunde näher zu Gott zu bringen. Voller Zuversicht, dass Gott die Dinge richten wird, und dass er stets, immer und ohne Ausnahme das Richtige tun wird. Mich vollkommen trennen von meinen eigenen Erwartungen und Vorstellungen! Und in dem festen Glauben, dass Gott alles in der Hand hält und immer das Beste für mich bereithält, egal, was ich mir auch vorstellen mag.

Alles auf eine Karte setzen.

Alles auf Gott setzen!

100 % Vertrauen!

100 % Glauben!

 

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